Therapien, die auf das Mikrobiom und Medikamente abzielen, zeigen vielversprechende Ergebnisse gegen Autismus-Spektrum-Störungen
Autismus-Spektrum-Störungen zeichnen sich durch anhaltende Schwierigkeiten in sozialen Interaktionen, verbaler und nonverbaler Kommunikation sowie durch repetitive Verhaltensweisen aus. Diese Herausforderungen, oft begleitet von Verdauungssymptomen, unterstreichen die Komplexität dieser neuroentwicklungsbedingten Störung. Obwohl verhaltenstherapeutische Interventionen weiterhin der Hauptansatz in der Klinik sind, variiert deren Wirksamkeit je nach Region und verfügbaren Ressourcen, was die Entwicklung gezielter pharmakologischer Behandlungen notwendig macht.
Tiermodelle, insbesondere Nagetiere, spielen eine zentrale Rolle beim Verständnis der molekularen Mechanismen und der Entwicklung von Therapien. Diese Modelle reproduzieren Verhaltensweisen, die denen beim Menschen ähneln, wie z. B. Beeinträchtigungen in sozialen Interaktionen, Lautäußerungen und stereotypen Verhaltensweisen. Die Ursachen dieser Störungen sind vielfältig: genetisch, umweltbedingt oder idiopathisch. Beispielsweise erhöht die pränatale Exposition gegenüber bestimmten Medikamenten oder Infektionen das Risiko, eine Autismus-Spektrum-Störung zu entwickeln.
Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit analysierte 52 zwischen 2010 und 2025 veröffentlichte Studien, die die Wirksamkeit pharmakologischer Therapien und solcher, die auf das Darmmikrobiom abzielen, untersuchten. Die untersuchten Interventionen umfassen oxytocinische Wirkstoffe, Medikamente, die das Gleichgewicht zwischen neuronaler Erregung und Hemmung beeinflussen, Cannabinoide, Purine sowie Strategien, die auf das Mikrobiom abzielen, wie Probiotika, Präbiotika und fäkale Transplantationen. Diese Ansätze zielen darauf ab, verschiedene biologische Systeme zu modulieren, darunter die Neurotransmission, die Neuroinflammation, den Stoffwechsel und die Darm-Hirn-Achse.
Die Ergebnisse zeigen, dass die verhaltensbedingten Defizite im Zusammenhang mit Autismus-Spektrum-Störungen in präklinischen Modellen durch Interventionen, die auf diese Systeme abzielen, gemildert werden können. Oxytocin, ein Hormon, das an der Regulierung sozialer Verhaltensweisen beteiligt ist, hat beispielsweise positive Auswirkungen auf die Geselligkeit und die Reduzierung repetitiver Verhaltensweisen in mehreren Tiermodellen gezeigt. Allerdings hängt seine Wirksamkeit vom Therapieschema, dem Entwicklungsstadium und dem Geschlecht der Tiere sowie vom spezifischen Modell ab. In einigen Fällen hatte Oxytocin keine Wirkung auf repetitive Verhaltensweisen oder verschlimmerte diese sogar.
Weitere Interventionen, wie Oxytocin-Rezeptor-Antagonisten, zeigten ebenfalls vielversprechende Ergebnisse. Atosiban, ein Oxytocin-Rezeptor-Antagonist, verbesserte beispielsweise soziale Defizite, Angst und repetitive Verhaltensweisen bei weiblichen Ratten, die während der Schwangerschaft Valproinsäure ausgesetzt waren. Dieses überraschende Ergebnis deutet darauf hin, dass in einigen Fällen eine übermäßige Aktivierung des oxytocinergischen Systems zu den Symptomen beitragen könnte und ein Antagonist daher vorteilhaft sein könnte.
Therapien, die auf das Gleichgewicht zwischen neuronaler Erregung und Hemmung abzielen, zeigten ebenfalls ermutigende Ergebnisse. Memantin, ein NMDA-Rezeptor-Antagonist, verbesserte beispielsweise die Geselligkeit und reduzierte repetitive Verhaltensweisen bei Ratten, die Valproinsäure ausgesetzt waren. Ebenso milderte CDPPB, ein positiver allosterischer Modulator der mGlu5-Rezeptoren, verhaltensbedingte Defizite in genetischen Modellen von Autismus-Spektrum-Störungen.
Interventionen, die auf das Darmmikrobiom abzielen, stellen einen innovativen Ansatz dar. Fäkale Transplantationen und Probiotika wie Bifidobacterium longum zeigten Verbesserungen im sozialen Verhalten und eine Reduzierung von Angst. Diese Interventionen wirken, indem sie den Darmstoffwechsel modulieren und die Kommunikation zwischen Darm und Gehirn beeinflussen. Die Verabreichung von Bifidobacterium longum erhöhte beispielsweise den Tryptophanspiegel und senkte den Kynureninspiegel, Metaboliten, die mit Neurotransmission und Entzündung in Verbindung stehen.
Stoffwechseltherapien wie Metformin und Pioglitazon zeigten ebenfalls positive Effekte. Diese Medikamente, die häufig zur Behandlung von Diabetes eingesetzt werden, verbesserten die Geselligkeit und reduzierten repetitive Verhaltensweisen in Tiermodellen. Ihre Wirkung scheint durch eine Verringerung von oxidativem Stress und Neuroinflammation vermittelt zu werden, Mechanismen, die bei Autismus-Spektrum-Störungen oft gestört sind.
Cannabinoide wie Cannabidiol und Tetrahydrocannabinol wurden ebenfalls untersucht. Obwohl ihre Wirkung von der Dosis abhängt, zeigten bestimmte Formulierungen eine Verbesserung des sozialen Verhaltens und eine Reduzierung repetitiver Verhaltensweisen. Avidekel-Öl, das reich an Cannabidiol ist, reduzierte beispielsweise die Putzzeit und verbesserte die Geselligkeit bei Mäusen.
Interventionen, die auf das purinerge System abzielen, wie Suramin, zeigten ebenfalls vorteilhafte Effekte. Suramin, ein purinergischer Antagonist, verbesserte das soziale Verhalten und reduzierte Angst in Modellen von Autismus-Spektrum-Störungen, die durch mütterliche Immunaktivierung oder pränatale Exposition gegenüber Valproinsäure induziert wurden.
Schließlich zeigten Vitamine wie Vitamin D3 und Retinsäure vielversprechende Effekte. Retinsäure verbesserte beispielsweise das soziale Verhalten und reduzierte repetitive Verhaltensweisen bei Ratten, die Valproinsäure ausgesetzt waren. Diese Effekte scheinen durch eine Modulation der Mikroglia-Aktivierung und Neuroinflammation vermittelt zu werden.
Diese Ergebnisse unterstreichen die multifaktorielle Natur von Autismus-Spektrum-Störungen, bei der systemische Prozesse interagieren, anstatt dass ein einfacher molekularer Defekt vorliegt. Dies könnte den begrenzten Erfolg traditionell gezielter Interventionen erklären und deutet auf einen Paradigmenwechsel hin: hin zu einem systemischeren Ansatz, der pharmakologische, stoffwechselbezogene und auf das Mikrobiom abzielende Therapien kombiniert.
Sources du média
Document de référence
DOI : https://doi.org/10.1038/s41380-026-03663-8
Titre : Efficacy of pharmacological and microbiota-based therapies in preclinical models of autism spectrum disorder: a systematic review
Revue : Molecular Psychiatry
Éditeur : Springer Science and Business Media LLC
Auteurs : Arnas Kunevičius; Kinga Gawlińska; Aurelijus Burokas; Dawid Gawliński