
Erhöhen soziale Medien das Risiko suizidaler Gedanken bei Jugendlichen?
Eine übermäßige und problematische Nutzung sozialer Medien durch Jugendliche könnte das Auftreten suizidaler Gedanken mehrere Monate später begünstigen. Eine aktuelle Studie begleitete über 500 junge Menschen neun Monate lang, um zu verstehen, wie sich dieser Zusammenhang entwickelt. Die Ergebnisse zeigen, dass nicht die intensive Nutzung an sich problematisch ist, sondern vielmehr die Art und Weise, wie Jugendliche ihre Emotionen im Umgang mit den online gemachten Erfahrungen bewältigen.
Soziale Medien nehmen einen zentralen Platz im Leben junger Menschen ein. Wenn sie zur Quelle von Leid werden, etwa durch negative soziale Vergleiche oder Cybermobbing, entwickeln manche ineffektive Strategien zur emotionalen Selbstregulation. Besonders gefährlich erweist sich dabei die Selbstbeschuldigung. Jugendliche, die sich in solchen Gedanken verlieren und sich ständig für Misserfolge oder Schwierigkeiten die Schuld geben, sehen ihr Risiko für suizidale Gedanken mit der Zeit steigen.
Die Studie betont, dass soziale Medien die Tendenz zur Selbstkritik verstärken können. Indem sie junge Menschen idealisierten Bildern von Erfolg und Glück aussetzen, schaffen diese Plattformen eine Kluft zwischen ihrer Realität und dem, was sie als Norm wahrnehmen. Diese Diskrepanz nährt ein Gefühl der Minderwertigkeit und Schuld, insbesondere bei denen, die bereits ein fragiles Selbstwertgefühl haben. Im Gegensatz zu anderen Mechanismen wie Grübeln oder Dramatisieren wirkt Selbstbeschuldigung als direkter Katalysator zwischen einer problematischen Nutzung sozialer Medien und dem Auftreten suizidaler Gedanken.
Diese Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung, Jugendlichen dabei zu helfen, Fähigkeiten zur Bewältigung ihrer Emotionen und ihres Selbstbildes zu entwickeln. Bildungsprogramme könnten sie ermutigen, toxische soziale Vergleiche infrage zu stellen und eine wohlwollendere Sicht auf ihre eigenen Erfahrungen zu entwickeln. Parallel dazu könnte ein bewussterer Umgang mit sozialen Medien, basierend auf Mäßigung und kritischer Auseinandersetzung mit den konsumierten Inhalten, die negativen Auswirkungen dieser Plattformen auf ihre psychische Gesundheit verringern.
Die Forscher betonen die Notwendigkeit, weitere Studien durchzuführen, um die zugrundeliegenden Mechanismen besser zu verstehen und Interventionen anzupassen. Das Ziel ist es, den Teufelskreis zu durchbrechen, in dem soziale Medien statt eines Raums der Verbindung zu einem Nährboden für Isolation und psychisches Leid werden.
Sources du média
Document de référence
DOI : https://doi.org/10.1007/s00787-026-03015-5
Titre : When social media hurts: a nine-month prospective study on self-blame as a mediator between problematic social media use and suicidal ideation in adolescents
Revue : European Child & Adolescent Psychiatry
Éditeur : Springer Science and Business Media LLC
Auteurs : Cirenia Quintana-Orts; Carolina Yudes; Víctor Sánchez-Moreno; Lourdes Rey